Vorgehensweise und Unterschiede bei Deep-Sky- und Planeten-Fotografie

Vorab möchte ich etwas auf die doch deutlichen Unterschiede zwischen der Planeten- und Deep-Sky-Fotografie (Aufnahmetechnik und erforderliches Equipment) eingehen. Es handelt sich hierbei nur um zwei kurze Beschreibungen der beiden Themengebiete, welche diese auf keinen Fall umfassend wiedergeben. Jeder der in diesen Bereich der Fotografie einsteigen möchte, sollte sich zuvor ausreichend informieren um eventuelle Fehlkäufe oder Enttäuschungen zu vermeiden.

 

Generell gilt bei der Planung einer Planeten- oder Deep-Sky-Fotografie zu berücksichtigen, dass sich das Objekt der Begierde während der Aufnahmedauer, bedingt durch die Erdrotation, weiter bewegt.

Bei der Planeten-Fotografie wird durch die Verwendung kurzer Belichtungszeiten versucht die negativen Seeing-Einflüsse (Luftunruhe) zu minimieren. Ermöglicht werden diese kurzen Belichtungszeiten durch die doch recht hellen Aufnahmeobjekte (z.B. Jupiter, Saturn, usw.).

Des Weiteren werden bei Planeten-Aufnahmen auch keine Einzelbilder aufgenommen, sondern Videosequenzen im avi-Format gefilmt. Diese Filme werden in der anschließenden digitalen Nachbearbeitung von Spezialprogrammen zu einem Finalbild gestackt ("Bilder stapeln").

Bei meinen aktuellen Aufnahmen liegen die Belichtungszeiten zwischen 8 und 35 Millisekunden. Hierdurch wird eine Bildrate von 30 bis 125 Bilder pro Sekunde (fps) ermöglicht.

Zu diesem Einsatzzweck werden spezielle Planetenkameras oder umgebaute Webcams verwendet. 

Zur Nachführung eignen sich sowohl parallaktische, wie auch azimutale Montierungen. Mit etwas Fingerspitzengefühl und Geduld kann zu Beginn ggf. auf eine Motorsteuerung verzichtet werden.

 

 

Bei der Deep-Sky-Fotografie wird versucht möglichst lange Belichtungszeiten (z.B. 2, 5, 10 Minuten oder sogar noch länger) bei den einzelnen Aufnahmen zu erreichen, um die doch recht lichtschwachen Deep-Sky-Objekte einzufangen. Wichtig ist hierbei, dass die Bilder im Rohdatenformat der Kamera und nicht z.B. als jpg-Aufnahme gespeichert werden. Auch bei dieser Aufnahmetechnik werden wieder mehrere Aufnahmen erstellt (diesmal jedoch als eine Serie von Einzelaufnahmen und nicht als Videosequenz) und später während der digitalen Nachbearbeitung gestackt. Allerdings in diesem Fall nicht um die Seeing-Einflüsse zu unterdrücken, sondern u.a. um die Lichtausbeute bei den Deep-Sky-Objekte zu erhöhen.

Für solche langen Belichtungszeiten ist eine parallaktische Montierung mit Motorsteuerung erforderlich. Diese sollte bei der Nachführung durch ein Auto-Guider-System (Leitrohr oder Off-Axis-Guider mit Nachführkamera und Laptop, oder alternativ  als Stand-Alone-Autoguider-System) unterstützt werden.

Als Aufnahmekameras werden digitale Spiegelreflexkameras (DSLR) oder spezielle Deep-Sky-Kameras (CCD-Kameras mit aktivem Kühlsystem) verwendet.

Den Einstieg in die Deep-Sky-Fotografie (z.B. Sternfeldaufnahmen) kann man mit Objektiven / Teleskopen, die eine Brennweite von <400 mm besitzen sollten, auch ohne ein Autoguider-System wagen. Zum Beispiel mit einer Montierung nur mit Motorsteuerung, einer kleinen Reisemontierung oder einer selbstgebauten "Barndoor-Mount".

Bei kleinen Objektiven mit Brennweiten bis maximal 200 mm sind sogar Aufnahmen von einem normalen Fotostativ möglich, wenn entsprechend kurze  Belichtungszeiten berücksichtigt werden (keine Entstehung von Strichspuren bei der Sternabbildung). Die maximal möglichen Belichtungszeiten stehen hierbei in Abhängigkeit von der gewählten Brennweite des Objektives, der Deklinationshöhe des zu fotografierenden Objektes und der Sensorgröße der Kamera. Zur Berechnung dieser Werte gibt es Tabellen, Programme oder auch Apps.

 

Nochfolgend ein paar Beispiele für eine DSLR mit APS-C-Sensor:

Brennweite: Deklinationshöhe: Belichtungszeit:

16 mm

30°

~ 22 sec.


60°
~ 39 sec.

50 mm

30°

~ 7 sec.


60°
~ 13 sec.

100 mm

30°
~ 3 sec.


60°
~ 6 sec.

200 mm

30°
~ 1,5 sec.


60°

~ 3 sec.



 Ps.: Astrofotografie setzt Geduld und Leidensfähigkeit voraus!  ;-)